Bei den Niester Riesen

Veröffentlicht: 06/06/2012 in Allgemein

Es ist Pfingstsonntag am Morgen, die Sonne scheint und Familie Leuthold hat noch keine Ahnung, was sie an so einem Tag anstellen soll. Also wird das Regalfach mit sämtlichen Wanderkarten und Büchern durchforstet, auf der Suche nach einem passenden Ausflugsziel. Und tatsächlich, wir werden fündig. Es sollte zum Premiumwanderweg Niester-Riesen gehen, einer Rundwanderung bei einigen Baumriesen in der Nähe von Nieste. Bis sich die Leutholdsche Familienkutsche in Bewegung setzt, vergehen allerdings noch Stunden. Denn alle Utensilien für einen Zwergzweibeiner und einen Vierbeiner wollen erstmal zusammengesucht  und verstaut werden. Gerade damit fertig und kurz davor, das Kind fachgerecht in den Maxi-Cosi zu verpflanzen, signalisiert dieses durch hochfrequentes Töne und ein Wechseln der Gesichtsfarbe ins Tiefrot eindeutig, dass genau jetzt der einzig richtige Moment ist, um die mütterliche Milchbar zu entern. Also erstmal ist Stillen angesagt. Nachdem  Justus satt und sichtlich zufrieden ist, folgt der zweite Versuch. Kind also im MaxiCosi, kurz vorm Einbau auf die Rückbank: Scheinbar waren es einige Schluck zu viel an der Milchtanke, welche sich nun wieder den Weg in die Freiheit suchten. Resultat: Kompletter Klamottenwechsel. Justus macht das gar nichts. Der hat nen riesen Spaß dabei. Also nun der dritte Versuch. Und tatsächlich. Alle vier sitzen im Auto und es kann losgehen.

Die Fahrt verläuft ruhig. Justus schläft oder schaut zum Fenster raus. Der Molch pooft und die vordere Sitzreihe lauscht gespannt einem Krimihörbuch. Bis plötzlich direkt vor uns ein Greifvogel quer über die Straße herunterstürzt, um einer Maus im Straßengraben den Gar aus zu machen. Fasziniert von diesem Naturschauspiel aus nächster Nähe gehts weiter.

Nur noch eine Kurve, dann müßte man den Wanderparkplatz sehen. Doch anstelle eines kleinen Wanderparkplatzes erblicken wir einen Großraumparkplatz, der auch noch fast vollständig mit Seniorenkutschen besetzt ist. Zudem pilgern scharenweise ältere, zumeist beige gekleidete Herrschaften rechts in den Wald. O Gott! Wir haben uns ne Renterautobahn als Wanderweg ausgesucht.

Während sich der Zwerg nochmal für den Ausflug stärkt bin ich damit beschäftigt, Justus‘ Offroad-Wagen startklar zu machen. Beim Einladen der Wickeltasche zieht sich ein komischer Geruch in meine Nase. Bei näherer Untersuchung stelle ich fest, dass leider das Fläschchen mit dem Bäuchlein-Öl zerbrochen ist und der gesamte Inhalt nun die Fronttasche füllt, worin nun auch diverse Cremetuben, Löffel und Fläschen schwimmen. Also gehe ich erstmal an die Trockenlegung. Wie gut das man Windeln auch zweckentfremden kann. Nach einiger Zeit ist alles einigermaßen trocken, aber dafür rieche ich 10 Meter gegen den Wind nach DM-Bäuchlein-Öl.

Justus, der mit Daniela ausgestiegen ist, ist sofort Parkplatzsensation und ist von einer Schar Omas umringt. Besagte Omas staunten nicht schlecht, als aus dem Golf auch noch ein nicht grad kleiner Hund springt. Wo die denn alle Platz haben in dem kleinen Auto?

Nachdem Zwerg im Kinderwagen Platz genommen hat, ging es los. Nach ein paar Metern erkannten wir schon den Grund für die Rentnerströme am Wald entlang: Dort liegt die sogenannte Königs-Alm. Die ganzen Leute waren also nur zum Kaffeetrinken hier und wollten gar nicht unseren Wanderweg bevölkern.

Erleichtert suchten wir den Startpunkt und erreichten schon nach kurzer Zeit die Niester-Riesen. Einige wirklich beeindruckende Riesenbäume. Unter anderem ein Mammutbaum und eine Kanadische Eiche. Warum man allerdings mitten in den hessischen Buchenwald einfach mal 5 oder 6 eher untypische amerikanische Riesenbäume gepflanzt hatte, erschließt sich mir nicht wirklich.

Zwar sind noch einige Leute mit uns unterwegs, aber man kann den Molch gut frei laufen lassen und nachdem die Rentnertrasse, sprich ein breiter Waldweg hinter uns liegt und der Pfad gerade noch so mit dem Kinderwagen zu befahren ist, sind wir alleine. Der Weg ist wirklich sehr abwechslungsreich. Da schlägt sich der Molch auf einmal in die Büsche, um wenig später genüßlich kauend wieder zum Vorschein zu kommen. Nach genauerem hinsehen, ersparte ich mir die obligatorische Mundkontrolle. Denn der Molch hat scheinbar einen Toilettenbusch entdeckt und sich einen Snack gegönnt. Zumindest lassen das die zahlreichen Taschentücher hinter dem Busch vermuten.

Etwas später erfolgt dann Gizmos Highlight des Tages. Nun sind wir eigentlich immer diejenigen, die Bälle, Frisbees oder Dummys verdaddeln. Doch man lese und staune: Diesmal haben wir was gefunden. Und zwar eine Dog-o-soar Frisbee. Molchs Stammmarke! Und so ist die Freude groß, während wir das Fundstück in den Wagen laden. Währenddessen ist nun Justus wieder erwacht und meldet Milchnot. Also gibts wieder eine OpenAir-Still-Einlage von Daniela, der eine Zwergentrockenlegung folgt. Währenddessen läuft eine Gruppe junger, teilweise barfüßiger Leute vorbei. Dem Aussehen nach eine Gruppe Waldorf-Lehrer oder ähnliches. Es ist sogar ein Hund dabei, der aber selbst dem Molch so suspekt ist,  dass er nicht mal Anstalten macht aufzustehen.  Wir stellen fest, das auch wir hungrig sind und legen einen Zahn zu, um endlich zur Rentneralm zurückzukommen.

Dort angekommen amüsieren wir uns erstmal über eine Gruppe Junggesellenverabschieder, die schon deutlich angeschlagen den Nachbartisch bevölkern. Die Bedienung nimmt unsere Bestellung auf und meint noch grinsend: Noch ist der Kleine ruhig und brav, wetten, dass er auch Hunger bekommt, wenn das Essen auf dem Tisch steht. Und tatsächlich. Das Essen wird gebracht und schon schallt die Justusche Sirene durch den Biergarten. Daniela schlingt ihr Essen runter um dann schnell mit dem Zwerg zum Auto zu laufen, während ich bezahle und der Molch noch einen Hundekeks von der Bedienung abstaubt. Die Rückfahrt verläuft dann ohne irgendwelche Vorfälle. Gizmo und Justus haben die komplette Fahrt verschlafen.

Mama- ähm Mammutbaum…

Schräglage…

Baum frißt Schild…

Gerupftes Pfauenauge

Outdoor-Justus-Trockenlegung

Kommentare
  1. Anke sagt:

    Hab herzlich gelacht, danke 😀

  2. Susanne sagt:

    Von welchen Kilometer und welcher Steigung sprechen wir. Ich ahne schreckliches für Normalos. Wieder ein toller Artikel, ist es wert als Gassimann gelesen zu werden.

  3. Sabine sagt:

    toll geschrieben Jens! Das hbörst sich nach einem interessanten Ausflug an, sehr kurzweilig 🙂

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